Oberschule
für Landwirtschaft, Schlossweg 10 39040 Auer
Tel:
0471/810538
Was
wird aus uns(eren) Bauern?
Überlegungen zu einer Agrarentwicklung zwischen Gentechnik, Industrialisierung, Bürokratisierung und Ökologisierung
Vortragsveranstaltung
mit
Dr. Josef Hoppichler
am Freitag, 19.April 2002
mit Beginn um 20.00 Uhr
Der
Vortrag findet am Happacherhof
der
Oberschule für Landwirtschaft
in
Auer,
Fuchsloch 20 statt.
Was
und wie die Konsumenten in 20 bis 30 Jahren essen werden, welche Konsumgüter
- (insbesondere jene, die aus der Landwirtschaft stammen könnten) - sie in
die Mägen ihrer Konsumwelt stopfen werden, ist in weiten Bereichen bestimmend
für die Art und Weise der Land- und Forstwirtschaft. Auch die Vorgänge in
den vor- und nachgelagerten Industriesektoren und die Größe und Dynamik der
Warenströme auf den Weltagrarmärkten werden dadurch determiniert.
Doch
über dem Magen steht der Kopf. Deshalb sollten vor allem auch, um der ländlichen
Zukunft näher zu kommen, die Strömungen und Tendenzen in den modernen
„Ideenfabriken“ nicht missachtet werden. Denn es geht nicht mehr um
landwirtschaftliche Produkte als solche, sondern um die Gedanken darüber.
Nicht das Produkt hat eine Geschichte zu erzählen, sondern die
"Botschaft ist das Produkt"; und wer die zukünftigen Botschaften
und Informationen erzeugt bzw. die beherrschenden Botschaften medial
durchsetzt, betreibt auch die zukünftige Landwirtschaft.
So
sind z.B. die Gedanken- und Bilderwelten der Freizeitindustrie - als
bedeutendster "Landschaftsproduzent" - und jene des Touristen - als
wichtigster "Landschaftskonsument" - entscheidend für die zukünftigen
Landschaften und die darin lebenden und arbeitenden Menschen. Die Idee von der
Landschaft ist das postmoderne agrarische Zukunftsprodukt schlechthin -
insbesondere für die Landwirtschaft in peripheren und benachteiligten
Regionen, weil hinter dem Produkt keine materielle Substanz steckt und es sich
trotzdem verkaufen lässt. Doch auch die Werbebotschaften von Nahrungsmitteln
sind wichtiger als die Nahrungsmittel selbst; denn sollten jene nicht
schmecken, so ist es heutzutage schon und vor allem in Zukunft absolut
problemlos, den Geschmack zu verstärken, neue Geschmackskomponenten hinzuzufügen
oder eben auch neue Geschmäcker zu schaffen.
Doch
die gewünschte Botschaft kann auch in ihr Gegenteil umschlagen. Der Schock
durch den „Rinderwahnsinn“ greift tief. Er lässt ganze agroindustrielle
Wirtschaftszweige erzittern und die große Politik in eine krisenhafte Agonie
stürzen. Die Zukunft der Landwirtschaft ist somit auch das „Unbehagen in
der Ernährung“.
Die
weitere Globalisierung und Liberalisierung der Weltagrarmärkte, die
Osterweiterung der EU aber auch die drohende Finanzkrise in den Agrarbudgets
wird auch in der Landwirtschaft die Intensivierung und Industrialisierung
weiter vorantreiben und den Strukturwandel zusätzlich beschleunigen. Wenn es
nicht gelingt bei knapper werdenden öffentlichen Mitteln die Direktzahlungen
sozial ausgewogen zu verteilen und durch Strukturpolitik eine integrale
Wirtschaftsentwicklung für den ländlichen Raum einzuleiten, dann wird aus
unserer kleinstrukturierten Landwirtschaft in Berg- und strukturschwachen
Gebieten eine Freizeit- und Hobbylandwirtschaft mit beschränkten
Zukunftschancen.
Im
Grunde werden die Bauern nicht mehr "gebraucht". Doch gerade weil
die Bauern nicht mehr "gebraucht" werden, erhalten sie auch eine
neue Chance.
Die
"neuen" Bauern der Zukunft sehen aber anders aus. Sie unterscheiden
sich deutlich von den Zulieferunternehmern der Agrarindustrie, welche eben
zunehmend keine Bauern mehr sein werden. Sie betreiben Landwirtschaft, weil
sie sich dafür begeistern, mit Lebewesen zu arbeiten und weil das Land einen
Freiraum und eine selbstbestimmbare (Frei-)Zeit bietet und weil man dort dem
"Wunschtraum von Natur" am nächsten ist.
Zum
Referenten:
Studium
der Landwirtschaft an der Universität für Bodenkultur in Wien, Dissertation über
„ökonomische und ökologische Auswirkungen der Gen- und Biotechnologie auf
die Landwirtschaft“. Privat engagiert in der österreichischen und europäischen
„Gentechnik-Opposition“ und aktive Mitarbeit am österreichischen
„Gentechnik-Volksbegehren“. Diesbezüglich auch intensive Tätigkeit in der
Politikberatung. Seit 1985 Mitarbeiter der Bundesanstalt für Bergbauernfragen.
Lehrbeauftragter für „Ökonomie und Politik der natürlichen Ressourcen“ an
der Universität für Bodenkultur in Wien.
Forschungsschwerpunkte:
Technologiefolgenabschätzung (Gentechnik und Landwirtschaft); Nachhaltigkeit
und Biodiversität; Betriebs- und volkswirtschaftliche Analysen des
Agrarsektors; Agrarische Bildungspolitik.
Publikationen:
Gen-Patente
- Die Abschöpfung auf das Brot der Armen. In: Der Förderungsdienst, Wien 1997
Essen
wir Landschaft auf? Agrarproduktion und Landschaftsbild. In: Umwelterziehung
3/97, Wien 1997
Was
wird aus Österreichs Bauern (gemeinsam mit Josef Krammer), in: Trautl
Brandstaller (Hrsg.): Österreich 21/2, Anstöße zur Strukturreform, Wien 1996
Die
Ökonomisierung der Kulturlandschaft. In: Zolltexte, Zeitschrift österreichischer
LandschaftsplanerInnen und LandschaftsökologInnen, 1994